Filmnight: Familie Braun

Okay, Filmnight ist vielleicht etwas übertrieben. Aber am vergangenen Wochenende haben der Lieblingsmann und ich uns die Mini-Netz-Serie „Familie Braun“ angeschaut. Die gibt’s online bei YouTube oder in der zdf Mediathek. Außerdem läuft sie momentan freitagabends im ZDF-Fernsehen (aber warum warten, wenn man alle acht Folgen online am Stück sehen kann?).
Kurz zum Inhalt: Es geht um eine Männer-WG, also irgendwie. Thomas und Kai, beide Anfang 20, beide Neonazis, teilen sich eine kleine Wohnung. Eines Tages steht plötzlich eine Frau aus Eritrea mit ihrer kleinen Tochter Lara vor der Tür und verkündet Thomas, dass Lara seine Tochter ist. Laras Mutter wird abgeschoben, also soll die Sechsjährige ab sofort bei ihrem Vater wohnen. Und so nimmt diese urkomische Geschichte ihren Lauf.

Mitgewirkt an dieser Serie haben viele YouTuber aus dem Verein 301+, unter anderem Marti Fischer, die SpaceFrogs und LeFloid. Außerdem hat das wunderbare Ehepaar Manuel und Marie Heimberg sehr großen Anteil an der Serie. Marie hat ein Kinderbuch geschrieben und illustriert (hier die Bewegtbild-Version) und Musik gemacht für die Serie. Ihr Mann Manuel hat das Drehbuch geschrieben.
Aber natürlich ist Familie Braun keine reine YouTube-Serie. Die Hauptrollen werden von fantastischen Schauspielern verkörpert: Edin Hasanovic (hat neulich noch die Goldene Kamera gewonnen!) spielt Thomas und Vincent Krüger Kai. Eine klasse Besetzung mit sehr viel Potenzial. Aber was denke ich denn nun über die Serie?

Ich fand sie wirklich gut. Ich habe viel gelacht, sie hat mich teilweise echt nachdenklich gestimmt. Das Ende hat mich überrascht, obwohl, nicht so sehr, wie man vielleicht erwarten würde. Ich will hier nicht spoilern, aber ich hatte während der Serie das Gefühl, dass Thomas sich nicht so sehr mit dem Nazi-Denken identifiziert wie Kai. Ich will damit nicht sagen, dass er unglaubwürdig wirkt, sondern eher, dass er seine neue Vaterrolle sehr schnell annimmt und Vatergefühle für das kleine „Negerkind“ (wie Kai sagt!) entwickelt. Er will sie nicht verhungern lassen (Zitat: „Soll sie etwa verhungern?“ Darauf Kai: „Zum Beispiel!“) und bestraft ihren Deutschlehrer (der Deutsch sehr ernst nimmt!) und einen Jungen, der sie geärgert hat. Kai hingegen flucht, wirft mit Fäkalsprache um sich und hasst das Mädchen (das übrigens zuckersüß ist), wie man es erwarten würde, einfach weil sie so ist, wie sie ist. Ich denke nicht, dass Thomas all seine Vorstellungen von der Welt einfach über den Haufen wirft, aber er scheint zum Ende hin zu merken, dass es nicht nur Schwarz und Weiß gibt.

Alles in allem eine lustige, gut umgesetzte und interessante Serie, über die man auch lange diskutieren kann. Die Thematik strotzt natürlich so vor Aktualität und meiner Ansicht nach auch von Wichtigkeit, weshalb jeder sich Familie Braun ansehen sollte (und wenn auch nur, um zu erfahren, wie zwei Neonazis reagieren, wenn eine Sechsjährige fragt, warum Hitler so traurig aussieht, oder ob sie schwul sind). Ich hoffe auf eine zweite Staffel!

In diesem Sinne,
Prost,

die Ruhrpottperle!

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1 Kommentar zu „Filmnight: Familie Braun“

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