Damals Loser, heute cool?

Ich bin immer wieder fasziniert von so manchem YouTuber und seinen Ansichten, dem was so vermittelt wird. Vor einiger Zeit habe ich selbst noch geschrieben, dass ich es nicht einsehe, anderen ihre Verantwortung für sich selbst abzunehmen. Dazu stehe ich auch immer noch. Aber ich habe auch geschrieben, dass wir anderen nicht vorzuschreiben haben, was richtig, was cool und was uncool ist. Und genau darum soll es heute gehen.

Filmemacher auf YouTube nennen sich selbst immer selbstständiger Webvideoproduzent. Mir ist schon klar, dass das eine Berufsbezeichnung ist und so weiter. Aber wenn genau diese Leute sich dann hinsetzen und ein Video machen, in dem sie auf Bilder aus ihrer Jugend (was bei manchen erst ca. fünf Jahre her ist) mit Würgelauten und Selbsthass reagieren, dann frage ich mich, ob diese Leute die Berufsbezeichnung überhaupt verdient haben.
Natürlich verstehe ich, dass es gut ankommt, Bilder von vor fünf bis zehn Jahren zu zeigen. Und ja, natürlich hat man sich in der Zwischenzeit optisch verändert. Es wäre ja auch komisch, wäre das nicht so.

Aber, wenn ich mir diese Bilder von mir ansehe, habe ich im Grunde zwei Optionen. Entweder, ich lache darüber, wie sehr ich mich verändert habe, zeige, dass es ganz natürlich ist, nicht mehr so auszusehen wie mit 14; oder ich mache mich offen über mich selbst lustig, indem ich Würgelaute mache, das Mädchen von vor fünf Jahren nahezu hasse und so eine eindeutige Botschaft vermittle: Damals war ich ein Loser, heute bin ich cool.
Natürlich darf jeder frei selbst entscheiden, wie er reagieren möchte. Ich will dazu nur eins zu bedenken geben: Was vermittelt ihr, wenn ihr die zweite Option wählt? Ihr vermittelt folgendes:

Du hast so und so zu sein, sonst bist du uncool und ein Loser. Und niemand mag Loser.

Möchte man das so vermitteln? Ist es das, was wir jungen Leuten einreden wollen? Ich sage: Nein, wollen wir nicht. Also, zumindest will ich das nicht. Natürlich möchte ich heute nicht mehr so aussehen wie vor zehn Jahren. Aber deswegen hasse ich die 16-jährige Nadine doch nicht.

Die 16-jährige Nadine war einfach, wie sie war. Sie hatte zeitweise sehr dunkel gefärbte Haare, trug schwarzen Kajal rund um die Augen und Baggyhosen zu einer schwarzen Cap. Heute würde ich nichts davon wieder tun (okay, bis auf die Haare. Da bin ich unberechenbar). Und trotzdem stehe ich dazu, wie ich vor zehn Jahren aussah, unter Leute gegangen bin. Weil es nichts Schlechtes ist!

Was ich damit sagen möchte: Steht zu euch und eurer Vergangenheit. Steht dazu, wenn ihr eine lustige Frisur, einen verrückten Klamottenstil und komisches Make-Up hattet. Das ist ein Teil von euch, so wie jetzt vielleicht YouTube, falsche Fingernägel und Kaugummi-rosa Haare.

Denn nur, wenn ihr dazu steht, wie ihr wart, wie ihr seid und wie ihr sein werdet, dann macht ihr Jüngeren Mut, genauso zu sich zu stehen. Und das ist doch eine viel bessere Message, als Selbsthass zu verbreiten!

Und wenn ihr euch wirklich so sehr für Bilder aus eurer Jugend schämt, dann habe ich einen guten Rat für euch: Teilt sie halt nicht mit der ganzen Welt! Denn wenn ihr das tut, seid ihr selbst Schuld, wenn ihr ein falsches Selbstbild vermittelt.

Erst vor einigen Wochen habe ich eine große deutsche YouTuberin de-abonniert, weil ich mit ihrer Art, über sich selbst herzuziehen und die eigene Schönheit zu definieren, nicht mehr klar kam. Ich wollte ein solches Verhalten nicht mehr unterstützen. Ich unterstütze lieber Selbstliebe als Selbsthass.

In diesem Sinne,
Prost,

die Ruhrpottperle!

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