Glückwunsch zum Bachelor?

Eine kleine Anekdote vom letzten Wochenende:
Ich war mit dem Lieblingsmann bei meinem Schwager und meiner Schwägerin. Meine Schwiegereltern und meine Schwiegeroma waren auch da. Plötzlich versammeln sich alle im Wohnzimmer und meine Schwägerin überreicht mir unter Glückwünschen einen Umschlag mit einer Karte und einem Gutschein. Ich bin völlig baff und habe keine Ahnung, was ich sagen soll.
Der Gutschein ist ein Geschenk – zum bestandenen Bachelor of Arts.

In diesem Moment fühlte ich mich zugegebenermaßen relativ schlecht. Natürlich bin ich dankbar für das Geschenk und die Glückwünsche und natürlich bin ich irgendwie auch stolz auf meinen Uni-Abschluss. Aber irgendwie ist mir in dem Moment klar geworden, dass ich den Bachelor ziemlich runterspiele. Ich bin nicht großartig damit hausieren gegangen, hab es gerade mal meiner Mutter, dem Lieblingsmann und meinen engsten Freunden selbst erzählt. Ich habe es auch online kaum erwähnt.

Aber wieso?

Ich denke, es hat zum Einen damit zu tun, dass ich diesem Abschluss keine ganz so große Bedeutung beimesse. Ich habe ja nahtlos weiterstudiert, mache direkt den Master hinterher. Und in meinem neuen Studiengang hat jeder den Bachelor. Sonst wären wir ja nicht dort. Und dadurch trat der Bachelor bisher etwas in den Hintergrund.

Zum Anderen – und diese Meinung wurde mir bereits bestätigt – kann ja im Prinzip fast jeder mit Abi einen B.A. erwerben. Es ist tatsächlich kein so großes Ding. Und auch kein Nachweis darüber, was ich kann. Höchstens ein Indikator dafür, dass ich etwas kann. Ich definiere mich dementsprechend nicht unbedingt durch diesen akademischen Abschluss. Und deshalb war ich so baff, als auf einmal so gefeiert wurde, dass ich den Bachelor habe.

Natürlich kann ich die Familie verstehen. Ich bin dort die erste, die überhaupt einen akademischen Abschluss hat. Für sie ist es also durchaus ein großes Ding, etwas, das man würdigen muss. Deswegen bin ich ihnen natürlich dankbar dafür.

Der Bachelor ist für mich aber dennoch nicht das Ende der Fahnenstange. Der Master wird für mich definitiv größer – obwohl ich nicht sagen kann, ob er, akademisch betrachtet, so viel besser ist.
Das Problem ist folgendes: Mit dem Bachelor kann ich so gut wie nichts anfangen. Als berufsbildender Abschluss ist er fast nie genug. Die meisten Unternehmen suchen jemanden, der entweder noch einen Master (mindestens!) drangehangen oder Zusatzqualifikationen wie z. B. ein Volontariat gemacht hat. Oder beides. Und deshalb geht es weiter. Noch vier Semester, ca. und dann bin ich Master of Arts. Mal gucken, ob dann das Ende der Fahnenstange erreicht ist.

Die Frage, die sich mir jetzt stellt, ist: Sollten wir auch die kleineren Erfolge mehr feiern? Uns mehr darauf einbilden? Immerhin haben wir ja was geschafft. Unabhängig davon, ob tausend Andere das auch geschafft haben. Es ist unser Erfolg. Oder?

In diesem Sinne,
Prost,

die Ruhrpottperle!

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