Warum man immer tun sollte, was man liebt

Ein sehr langer Titel für einen Blogpost. Aber, um ehrlich zu sein, ist mir nichts Kürzeres eingefallen. Und dank dieses langen Titels braucht der Post keine lange Einleitung, denn im Grund ist ja klar, worum es gehen wird, oder?
Kurz zum Hintergund: Inspiriert hat mich ein YouTube-Video, das ich euch im folgenden verlinken werde. Schaut es euch an, lasst dem jungen Mann vor der Kamera ein bisschen Liebe da und dann lest hier weiter! 😉

Nun also zu meinem Anliegen. Viele wichtige Dinge sind in dem Video ja bereits angesprochen worden. Im Grunde geht es darum, dass man immer tun sollte, was man liebt. Seiner Passion, seiner Leidenschaft nachgehen. Sich nicht in eine Rolle drängen lassen, sei es beruflich oder privat, die man nicht ausfüllen will, in die man nicht reinpasst.

Leider schreibt uns die Gesellschaft ganz oft genau das vor. „Du brauchst einen sicheren Job!“ heißt es dann, oder „Du musst dich den gesellschaften Normen und Werten anpassen!“ Aber das eigene Glück, die eigene Zufriedenheit bleibt dabei auf der Strecke. Und das kann krank machen.

Meine Erfahrungen:
Ich selbst habe 2009, direkt nach dem Abitur, eine Ausbildng angefangen. Ich wollte Ergotherapeutin werden. Wenn man mich heute fragt, kann ich nicht einmal mehr genau sagen, warum. Aber es klang spannend, also habe ich mich an Schulen beworben. Als kurze Information: Es gibt sowohl staatliche als auch private Schulen. Ich war an einer privaten Schule und musste dort ordentlich Schulgeld blechen.
Die ersten eineinhalb Jahre der Ausbildung waren toll. Wir hatten Unterricht, haben viel über Anatomie, Krankheitsbilder, Psychologie und viele handwerkliche Dinge gelernt. Ich habe tolle neue Menschen kennen gelernt, unter anderem meine heutige beste Freundin. Ich habe viel aus dieser Zeit mitgenommen, war eine gute Schülerin und bin noch heute in meiner Familie Ansprechpartnerin für Krankheiten. Doch dann kam die Wende.
Es ging in das erste Praktikum. Ich kam in eine Praxis für Ergotherapie und Logopädie. Ich sollte nun selbst mit Kindern, Erwachsenen und älteren Menschen arbeiten. Und dann wurde mir eine Sache zum Verhängnis: Ich hatte vorab kein Praktikum zur Orientierung gemacht. Ja, das war dumm. Ich würde es heute anders machen. Ich wusste also leider nicht wirklich, worauf ich mich einließ, war überfordert mit der Arbeit dort und nahm zu viel von den Erlebnissen in der Praxis und auf Hausbesuchen mit nach Hause.

Und das machte mich krank. Ich wurde kreuzunglücklich, wollte es aber noch nicht wahrhaben. Ich verlor ein Stück weit meine Lebensfreude, war ständig müde, ausgelaugt und hatte in meiner Freizeit keine Lust, irgendetwas zu machen. Einige Menschen in meinem Umfeld tippten damals auf Burnout. Mein Exfreund meinte in einem kurzen Gespräch, es sei wohl eher eine Depression. Ich habe es niemals herausgefunden, da ich es nicht behandeln lassen habe.
Ich wurde auch körperlich krank. Ich schlief schlecht, was zu Leistungs- und Konzentrationsproblemen führte. Ich bekam eine Magenschleimhautentzündung, wie ich sie schon einmal hatte, als ich psychisch großem Stress ausgesetzt gewesen war. Und trotzdem ging ich immer weiter hin.
Eines Tages fragte meine Anleiterin im Praktikum mich, warum ich eigentlich überhaupt weitermachen würde, wo ich mich doch so schwer tat. Meine Antwort:

Um es mir und allen anderen zu beweisen.

Nach diesem Gespräch ging ich nach Hause und die Erkenntnis traf mich wie ein Schlag. Was tat ich hier eigentlich?! Ich wollte eine teure Ausbildung weiterführen, die mir weder Spaß machte, noch mit ausfüllte, nur um es irgendjemandem zu beweisen? Ich wollte noch mehrere tausend Euro in einen Job investieren, den ich definitiv nicht ausüben würde? Ich wusste ja noch nichtmal, ob ich die Abschlussprüfungen so schaffen würde. Ich stellte fest, dass der Beruf der Ergotherapeutin eindeutig der Falsche für mich war.

Nach dieser Erkenntnis stand meine Entscheidung relativ schnell fest: Ich würde die Ausbildung abbrechen. Doch was dann? Ich besann mich auf das, was mir schon immer Spaß gemacht hatte: Das Schreiben. Da es in diesem Bereich wenig Möglichkeiten gibt, ohne Studium eine Ausbildung zu machen oder beruflich Fuß zu fassen, bewarb ich mich an verschiedenen Universitäten der Umgebung auf verschiedene Studiengänge: Journalistik bzw. Journalismus, Germanistik, Publizistik. Angenommen wurde ich dann an der Universität Duisburg-Essen für Germanistik auf 2-Fach Bachelor of Arts. In diesem Jahr habe ich dort eben jenen Abschluss erworben.

Wie hat mein Umfeld reagiert?
„Gemischt“ trifft es wohl am besten. Meine Eltern haben meine Entscheidung akzeptiert, hatten sie doch gesehen, wie schlecht es mir in der Ausbildung gegangen war. (Um ehrlich zu sein, waren sie in erster Linie froh, dass ich nicht schwanger war oder so, sondern ’nur‘ die Ausbildung abbrechen wollte). Der Lieblingsmann riet mir, die Ausbildung noch zu Ende zu machen, damit ich wenigstens überhaupt etwas hätte. Habe ich sofort ausgeschlagen, weil ich ja wusste, dass mir das absolut nichts bringen würde (vermutlich nicht mal einen Abschluss!). Die Schule hat mich gefragt, ob es nicht doch an der Praxis liegt und ob ich nicht doch nochmal darüber nachdenken wollte (danke, nein.). Mein Freundeskreis hat verständnisvoll reagiert, aber was hätten sie auch tun sollen? Meine heutige beste Freundin hatte am meisten Verständnis, wusste sie doch, wie schwer die Ausbildung sein kann. Sie ist übrigens der einzige Mensch aus der Ausbildung, mit dem ich überhaupt noch Kontakt habe.

Ich ging also, nach dem Gespräch mit dem Lieblingsmann und meinen Eltern, ein letztes Mal zur Schule, überraschend gefasst, um mit der Schulleitung und meiner Kursleitung zu besprechen, was ich entschieden hatte. Kündigungsgespräche fielen mir offenbar immer schon leicht, denn nach nicht einmal 30 Minuten war alles geklärt. Ich rief in der Praxis an, meldete mich ab und das war’s.

Was war die Folge?
Ich fühlte mich instant besser. Ich wurde schlagartig fröhlich, konnte wieder gut schlafen und nach drei Tagen waren die Magenprobleme wie weggeblasen. Überraschend? Nicht wirklich. Der falsche Beruf, das falsche Leben kann krank machen. Nicht nur, dass man dauerhaft unzufrieden ist, sondern man kann wirklich ernsthafte gesundheitliche Probleme davontragen.
Es hat mich etwa eineinhalb Jahre gekostet, diese Erkenntnis zu erlangen. Und mit diesem Post möchte ich euch helfen. Ich möchte verhindern, dass es bei euch auch so lange dauert, zu kapieren, dass ihr immer tun solltet, was ihr liebt.

Lasst euch nicht einreden, ihr müsstet einen bestimmten Beruf ergreifen, weil er sicher ist oder weil man das eben so macht. Lebt nicht die Träume und Wünsche eurer Eltern, eurer Freunde oder anderer Verwandten oder Bekannten. Lebt eure eigenen Träume! Ihr könnt grundsätzlich alles sein, alles tun, was ihr möchtet.
Auch der Schulabschluss ist dafür nicht entscheidend. Natürlich solltet ihr einen Abschluss machen, das steht außer Frage. Aber ich habe mit einem Abi-Durschnitt von 3,4 und einer 5 in Deutsch auf dem Abiturzeugnis Deutsch studiert (bzw. tue es immer noch). Solange ihr das, was ihr tun wollt, mit Leidenschaft verfolgt, könnt ihr es auch erreichen.

Und es ist übrigens keine Schande, mit Anfang 20 nochmal alles über den Haufen zu werfen. Ganz im Gegenteil. Sofern es euch glücklich macht, macht ihr alles richtig. Dann könnt ihr getrost auf die ‚verlorenen‘ Jahre scheißen und euch stattdessen freuen, dass ihr wieder glücklich seid. Dafür müsst ihr euch auch wirklich nicht schämen.

Heute bin ich glücklich. Ich habe gerade mein Master-Studium angefangen, habe eine berufliche Perspektive und wunderbare Menschen in meinem Umfeld, die mich unterstützen. Ich bin gesundheitlich (bis auf kleinere Wehwehchen) gut drauf und habe Spaß an dem, was ich tue, sei es das Studium oder der Blog. Und meine ganz klare Botschaft an euch:

Ihr könnt das auch. Und damit möchte ich den Blogpost schließen, mit den gleichen Worten, mit denen auch oben verlinktes Video endet.
Denk‘ mal drüber nach: Was willst du wirklich?

In diesem Sinne,
Prost,

die Ruhrpottperle!

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