Der (gar nicht so) große Unterschied

Eine Frage, auf die ich im Hinblick auf die Selbstständigkeit näher eingehen möchte ist die nach dem Unterschied zwischen einem Freiberufler und einem Gewerbetreibenden. Im Grunde ist die Unterscheidung ganz einfach:

  • Wer selbstständig in einem so genannten Katalogberuf ist oder einer diesen Berufen ähnlichen Tätigkeit nachgeht, ist freiberuflich. Die Katalogberufe sind in §18 EStG festgelegt.
  • Alle anderen Selbstständigen sind Gewerbetreibende.

Wenn man sich nicht sicher ist, zu welcher Gruppe man gehört (die „ähnlichen Berufe“ sind recht schwammig definiert), kann man zu seinem Finanzamt gehen und dort eine verbindliche Auskunft anfordern. Man teilt dann dem Beamten mit, was man vorhat, zu tun und erhält eine verbindliche Auskunft darüber, zu welcher Gruppe man gehört. Danach kann man sich im folgenden richten und seine Selbstständigkeit entsprechend aufbauen.

Was ein weit verbreiteter Irrtum ist: Man kann sich seine Form der Selbstständigkeit nicht aussuchen! Es geht dabei ganz allein um die Branche, den Beruf, nicht um persönliche Präferenz!!

Warum muss man den Unterschied wissen?

Die Unterscheidung ist vor allem im Steuerrecht wichtig, da unterschiedliche Steuern je nach Form abgeführt werden müssen.

  • Umsatzsteuer müssen sowohl Freiberufler als auch Gewerbetreibende abführen, sofern sie nicht von der Kleinunternehmerregelung Gebrauch machen. Mehr zur Kleinunternehmerregelung erkläre ich in einem eigenen Beitrag.
  • Einkommensteuer muss auch immer abgeführt werden.
  • Gewerbetreibende müssen darüber hinaus noch Gewerbesteuer bezahlen – Freiberufler nicht. Das ist vor allem finanziell ein Vorteil des Freiberuflers.

Ein weiterer Vorteil ist, dass ein Freiberufler keine doppelte Buchhaltung machen muss, sondern, unabhängig von der Höhe seines Einkommens, lediglich eine EÜR, also eine Einnahme-Überschuss-Rechnung bei der Steuererklärung machen muss. Das heißt, dass Einnahmen und Ausgaben ganz simpel gegeneinander gerechnet werden. Die Differenz sollte positiv sein, denn sie ist der Gewinn. Und der muss versteuert werden. Die Steuererklärung ist für Freiberufler also ein bisschen einfacher.

Wie macht man sich als Freiberufler selbstständig?

Das ist im Prinzip ganz simpel. Man sagt innerhalb von vier Wochen nach Aufnahme des Betriebes dem zuständigen Finanzamt ganz formlos Bescheid. Dann muss man noch den FSE, den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung ausfüllen und erhält seine Steuernummer. Man kann den Fragebogen aber auch online ausfüllen und dann gemeinsam mit der Anmeldung beim Finanzamt einreichen. Das beschleunigt den Ablauf.

Wie macht man sich mit einem Gewerbe selbstständig?

Die Anmeldung eines Gewerbes erfolgt stets beim Gewerbeamt. Dafür muss man persönlich vorstellig werden und wiederum einige Formulare ausfüllen. Die Anmeldung ist kostenpflichtig. Das Gewerbeamt informiert dann das Finanzamt und die Berufsgenossenschaft. Das Finanzamt meldet sich dann, damit man wiederum des FSE ausfüllen kann.

Achtung: Egal, wie man sich selbstständig macht, die Gründung muss stets zu dem Zeitpunkt erfolgen, zudem man die ersten Handlungen als Selbstständiger vornimmt. Wenn man also einen Monat, bevor man die Arbeit aufnimmt, bereits ein Büro gemietet hat, muss man sich schon einen Monat vorher selbstständig melden.

Ab dem Datum, zu dem man gründet, darf man Geld verdienen. Dabei gibt es dann auch keine großen Unterschiede zwischen Freiberufler und Gewerbetreibendem mehr. Diese zeigen sich dann noch im tatsächlichen Beruf und natürlich später in der Steuer. Die beiden Formen der Selbstständigkeit haben übrigens nichts mit dem verbreiteten Begriff der Rechtsform zu tun. Diese bezeichnet, in welcher Form sich einer oder mehrere Selbstständige organisieren, z. B. als Einzelunternehmer, GbR, GmbH etc. und kann relativ frei gewählt werden.
Die Steuererklärung erfolgt in beiden Fällen (Freiberufler und Gewerbetreibender) generell elektronisch, nicht wie die private Steuererklärung auf Papier. Falls man sich unsicher ist und keine Ahnung hat, wie eine EÜR oder eine Bilanz geht, kann man sich in jedem Fall an einen Steuerberater wenden. Das kostet zwar Geld, kann aber natürlich abgesetzt werden und zudem sehr hilfreich sein.

Ich hoffe, ich habe einigermaßen verständlich erklärt, wo der Unterschied liegt und wie man am einfachsten herausfindet, zu welcher Kategorie welcher Job gehört.

In diesem Sinne,
Prost,

die Ruhrpottperle!

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