Warum es gut tut, allein zu verreisen

Im vergangenen November war ich in Hamburg. Allein. Ohne Lieblingsmann, ohne Begleitung von Freunden. Nur ich. Vier Tage habe ich dort verbracht. Und, ganz ehrlich? Ich kann das nur jedem empfehlen.

Ich musste einfach mal raus. Brauchte Abstand, eine Auszeit. Eine Bekannte lud‘ mich zu sich ein. Sie hätte nicht viel Zeit an dem Wochenende, aber ich könne bei ihr auf der Couch schlafen. Und ich so: Nichts lieber als das! Gesagt, getan. Ich kaufte mir Zugtickets und fuhr in meine Lieblingsstadt. Nistete mich bei der Bekannten ein und verbrachte meine Tage allein, in der City, am Hafen, auf Weihnachtsmärkten. Trank Kakao, beobachtete Leute und ging allein Essen. Und es tat verdammt gut. Ich konnte stundenlang rumsitzen, nachdenken, meinen Gedanken nachhängen. Ich musste nicht zwanghaft gute Laune vorspielen, wenn ich keine hatte. Überraschenderweise war ich jedoch die meiste Zeit wirklich verdammt gut gelaunt! Ich ging allein Essen, musste keine Rücksicht darauf nehmen, ob jemand anderes hungrig war oder worauf diese Person Hunger hatte.

Ich bin kaum komisch angesehen worden. Die meisten Leute in Cafés und Restaurants hat es nicht interessiert, dass ich ganz allein unterwegs war. Nur die anderen Gäste schienen teilweise verwirrt oder erstaunt. Gerade beim Essen wirkte ich wohl etwas merkwürdig auf sie. Aber, glaubt mir, so entspannt habe ich lange nicht gegessen. Beim Essen habe ich mein Handy bewusst in der Tasche gelassen und mich einfach auf das konzentriert, was ich gerade tat. Natürlich habe ich sonst auch mit dem Lieblingsmann telefoniert, mit meinen beiden besten Freundinnen auf WhatsApp geschrieben und die sozialen Medien gecheckt. Aber ich musste nicht zwanghaft Konversation machen oder auf irgendjemanden achten.
Die Momente, die ich dann nicht allein verbracht habe, waren wiederum eine angenehme Abwechslung. Ich hatte was zu erzählen, war ich doch den ganzen Tag unterwegs gewesen. Ich hatte gute Laune und Lust, mich zu unterhalten. Auch diese Momente waren schön.

Versteht mich nicht falsch, ich liebe es, mit den mir liebsten Menschen wegzufahren oder liebe Menschen zu besuchen. Aber manchmal braucht man das einfach, ganz für sich zu sein, vor allem, wenn man eher introvertiert ist. Manchmal muss man einfach ganz alleine durchatmen. Und das kann ich wirklich empfehlen, es tat mir nämlich unglaublich gut. Ich bin mit einer guten Laune und einem Elan wieder nach Hause gekommen, das glaubt kein Mensch. Ich habe Kraft getankt, habe einen klaren Kopf bekommen und konnte meine Ziele, Aufgaben und Pläne neu anpacken. Wahrscheinlich ist dieses Alleine wegfahren nicht für jeden etwas. Ich habe aber ein paar Tipps für Leute, die mit dem Gedanken auch spielen:

  • Fahrt in eine Stadt bzw. an einen Ort, den ihr schon relativ gut kennt. Nichts ist schlimmer als an einem völlig fremden Ort komplett alleine zu sein, ohne zu wissen, wie man wieder wegkommt oder wo man lang muss.
  • Fahrt an einen Ort, an dem ihr jemanden kennt. Natürlich könnt ihr, wenn ihr mögt, auch in einem Hotel übernachten. Der Punkt ist, dass es dort jemanden gibt, an den ihr euch im Zweifelsfalle wenden könnt, wenn irgendetwas Gravierendes passiert.
  • Sagt den Menschen in eurem Umfeld, wohin ihr fahrt. Es ist okay, wenn ihr alleine wegwollt. Aber eure Familie und die engsten Freunde sollten wissen, wo ihr seid und wann ihr wiederkommt. Nur zur Sicherheit.
  • Fahrt nicht zu lange weg. Ich war vier Tage weg und das war perfekt. Wesentlich länger hätte ich es nicht alleine ausgehalten. Das muss aber jeder für sich selbst entscheiden, Menschen sind schließlich unterschiedlich.
  • Habt keine Angst vor blöden Blicken oder Kommentaren. Die meisten Menschen sind unsicher, ob es nicht merkwürdig wirkt, wenn sie allein  Essen oder ins Kino gehen. Tut es nicht. Seid selbstbewusst: Ihr seid euch selbst genug. Das ist nichts Verwerfliches.

Natürlich erfordert es Mut bzw. Selbstbewusstsein, allein wegzufahren. Nicht jeder traut sich so etwas. Die „light“-Edition könnte zum Beispiel sein, einfach in der Heimat mal alleine Essen zu gehen oder Spazieren zu gehen oder ins Kino zu gehen. So kann man sich leichter und behutsamer an das Alleine sein herantasten und sehen, dass es gar nicht so schlimm ist, wie man vielleicht zunächst dachte.

In diesem Jahr sind übrigens bisher drei Hamburg-Besuche geplant. Und keiner davon alleine. Aber zuletzt war das ja auch eine sehr spontane Entscheidung, also mal abwarten, was das Jahr noch so bringt.

In diesem Sinne,
Prost,

die Ruhrpottperle!

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2 Kommentare zu „Warum es gut tut, allein zu verreisen“

  1. Sehr interessantes Thema! Zwar habe ich in diesem Sinne noch keine Reise alleine gemacht, aber bei einem Praktikum war ich einen Monat allein in einer anderen Stadt, in der ich niemanden kannte, trotzdem habe ich sehr viel unternommen und mir nichts entgehen lassen – und ich kann deine Aussagen nur bestätigen: Es hat zwar auch Mut gebraucht, aber es hat so richtig gut getan und man war sich selbst einfach genug 🙂

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