Ich bin gläubig.

So, nach dieser Überschrift habe ich wahrscheinlich schon einen Haufen Leser verloren, aber sei’s drum. Allen anderen ein herzliches Willkommen!
Ja, ich bin religiös. Aber nicht auf eine kranke, missionarische Art. Und nein, ich will heute auch nicht über Islamismus oder verschiedene Religionen sprechen oder darüber, wie doof Extremismus und Fanatismus sind. Sondern darüber, warum man anderen Menschen ihren Glauben lassen sollte.

In meinem Umfeld sind einige Menschen, die sehr religiös sind und andere, die mit Religion so überhaupt nichts zu tun haben. Ich bin irgendwo in der Mitte. Ich laufe nicht jeden Sonntag in die Kirche, aber hohe Feiertage bedeuten mir etwas. Ich suche nicht nach göttlicher Absolution, aber ich glaube z. B. an das Sakrament der Ehe. Ich kann Dinge an der Kirche kritisieren und dennoch an Gott glauben. Neulich habe ich gehört, dass die Eheschließung in der Kirche ja in den allermeisten Fällen nur „wegen der Atmosphäre“ gemacht würde. Und das halte ich nicht für gelogen. Ich persönlich allerdings wollte partout vor Gott die Ehe schließen. Das heilige Sakrament der Ehe. In einer katholischen Trauzeremonie, unter Beteiligung eines evangelischen Pfarrers (mein Mann ist katholisch, ich bin evangelisch) haben wir uns also das Ja-Wort gegeben. Und tatsächlich war damals, als wir uns verlobt hatten, ich es, die darauf bestand, in einer katholischen Zeremonie zu heiraten. Weil in der katholischen Kirche die Ehe als ein heiliger Bund angesehen wird und mir das viel bedeutet.

Als vor einigen Wochen Ostern war, habe ich gerade in den sozialen Netzwerken viele Diskussionen zum Thema Tanzverbot an Karfreitag mitbekommen. Einige waren konstruktiv und haben mit Argumenten versucht zu erklären, warum das Tanzverbot gut oder schlecht ist. Andere haben unsinnig herumgemotzt und keinerlei vernünftige Unterhaltung möglich gemacht. Hier soll es jetzt gar nicht um das Tanzverbot selbst gehen, sondern um Religions-Diskussionen im Allgemeinen.

Im Rahmen dessen habe ich mich nämlich gefragt: Sollte man Menschen, die religiös sind, die Ausübung von gewissen Feiertagen schlecht reden oder sich darüber lustig machen? Einfache Antwort: Nein, sollte man nicht. Gläubige Menschen sollten aber auch ein gewisses Maß an Verständnis dafür haben, dass andere so gar nichts mit Religion anfangen können.
Ich bin der Meinung, dass Glaube und Religion sehr private Dinge sind, die man in erster Linie mit sich selbst ausmachen sollte. Manche von uns sind getauft und haben kirchliche Werte bereits in frühester Kindheit mitbekommen. Andere finden erst später zu Gott. Genauso gibt es den umgekehrten Fall, dass Menschen, die getauft sind, sich von Gott bzw. der Kirche abwenden, zu einem anderen Glauben konvertieren oder dass Menschen schlicht nie mit dem Glauben in Berührung kommen. Aber egal, wie der Weg des Einzelnen verläuft: Jeder hat das Recht darauf, zu glauben oder nicht zu glauben, an was er will.
Das heißt aber, dass dieser Glaube nichts ist, worüber sich lustig gemacht werden sollte. Denn zu glauben ist eine sehr intime Sache, die vielen Menschen viel bedeutet. Und es kann sehr verletztend sein, wenn das von anderen nicht respektiert wird.

Ich persönlich gehe z. B. an Karfreitag oder auch an Weihnachten nicht feiern. Die einzige Ausnahme bilden hier Geburtstage. Meine beste Freundin hat am zweiten Weihnachtsfeiertag Geburstag und natürlich wird der ordentlich gefeiert! Damit will ich nicht sagen, dass niemand an hohen christlichen Feiertagen in die Disco gehen darf, aber ich tue es eben nicht. Weil ich an diesen Feiertagen lieber mit meiner Familie zusammen bin, mich auf das Wesentliche in meinem Leben besinne und z. B. das Tanzverbot an Karfreitag für mich persönlich achte.
Ich wünsche mir in dem Zusammenhang im Grunde nur eine Sache: Dass diese, persönliche, Entscheidung respektiert wird und ich mich nicht dafür rechtfertigen muss, was ich tue oder eben nicht.

In diesem Sinne,
Prost,

die Ruhrpottperle!

Advertisements

Warum es gut tut, allein zu verreisen

Im vergangenen November war ich in Hamburg. Allein. Ohne Lieblingsmann, ohne Begleitung von Freunden. Nur ich. Vier Tage habe ich dort verbracht. Und, ganz ehrlich? Ich kann das nur jedem empfehlen.

Ich musste einfach mal raus. Brauchte Abstand, eine Auszeit. Eine Bekannte lud‘ mich zu sich ein. Sie hätte nicht viel Zeit an dem Wochenende, aber ich könne bei ihr auf der Couch schlafen. Und ich so: Nichts lieber als das! Gesagt, getan. Ich kaufte mir Zugtickets und fuhr in meine Lieblingsstadt. Nistete mich bei der Bekannten ein und verbrachte meine Tage allein, in der City, am Hafen, auf Weihnachtsmärkten. Trank Kakao, beobachtete Leute und ging allein Essen. Und es tat verdammt gut. Ich konnte stundenlang rumsitzen, nachdenken, meinen Gedanken nachhängen. Ich musste nicht zwanghaft gute Laune vorspielen, wenn ich keine hatte. Überraschenderweise war ich jedoch die meiste Zeit wirklich verdammt gut gelaunt! Ich ging allein Essen, musste keine Rücksicht darauf nehmen, ob jemand anderes hungrig war oder worauf diese Person Hunger hatte.

Ich bin kaum komisch angesehen worden. Die meisten Leute in Cafés und Restaurants hat es nicht interessiert, dass ich ganz allein unterwegs war. Nur die anderen Gäste schienen teilweise verwirrt oder erstaunt. Gerade beim Essen wirkte ich wohl etwas merkwürdig auf sie. Aber, glaubt mir, so entspannt habe ich lange nicht gegessen. Beim Essen habe ich mein Handy bewusst in der Tasche gelassen und mich einfach auf das konzentriert, was ich gerade tat. Natürlich habe ich sonst auch mit dem Lieblingsmann telefoniert, mit meinen beiden besten Freundinnen auf WhatsApp geschrieben und die sozialen Medien gecheckt. Aber ich musste nicht zwanghaft Konversation machen oder auf irgendjemanden achten.
Die Momente, die ich dann nicht allein verbracht habe, waren wiederum eine angenehme Abwechslung. Ich hatte was zu erzählen, war ich doch den ganzen Tag unterwegs gewesen. Ich hatte gute Laune und Lust, mich zu unterhalten. Auch diese Momente waren schön.

Versteht mich nicht falsch, ich liebe es, mit den mir liebsten Menschen wegzufahren oder liebe Menschen zu besuchen. Aber manchmal braucht man das einfach, ganz für sich zu sein, vor allem, wenn man eher introvertiert ist. Manchmal muss man einfach ganz alleine durchatmen. Und das kann ich wirklich empfehlen, es tat mir nämlich unglaublich gut. Ich bin mit einer guten Laune und einem Elan wieder nach Hause gekommen, das glaubt kein Mensch. Ich habe Kraft getankt, habe einen klaren Kopf bekommen und konnte meine Ziele, Aufgaben und Pläne neu anpacken. Wahrscheinlich ist dieses Alleine wegfahren nicht für jeden etwas. Ich habe aber ein paar Tipps für Leute, die mit dem Gedanken auch spielen:

  • Fahrt in eine Stadt bzw. an einen Ort, den ihr schon relativ gut kennt. Nichts ist schlimmer als an einem völlig fremden Ort komplett alleine zu sein, ohne zu wissen, wie man wieder wegkommt oder wo man lang muss.
  • Fahrt an einen Ort, an dem ihr jemanden kennt. Natürlich könnt ihr, wenn ihr mögt, auch in einem Hotel übernachten. Der Punkt ist, dass es dort jemanden gibt, an den ihr euch im Zweifelsfalle wenden könnt, wenn irgendetwas Gravierendes passiert.
  • Sagt den Menschen in eurem Umfeld, wohin ihr fahrt. Es ist okay, wenn ihr alleine wegwollt. Aber eure Familie und die engsten Freunde sollten wissen, wo ihr seid und wann ihr wiederkommt. Nur zur Sicherheit.
  • Fahrt nicht zu lange weg. Ich war vier Tage weg und das war perfekt. Wesentlich länger hätte ich es nicht alleine ausgehalten. Das muss aber jeder für sich selbst entscheiden, Menschen sind schließlich unterschiedlich.
  • Habt keine Angst vor blöden Blicken oder Kommentaren. Die meisten Menschen sind unsicher, ob es nicht merkwürdig wirkt, wenn sie allein  Essen oder ins Kino gehen. Tut es nicht. Seid selbstbewusst: Ihr seid euch selbst genug. Das ist nichts Verwerfliches.

Natürlich erfordert es Mut bzw. Selbstbewusstsein, allein wegzufahren. Nicht jeder traut sich so etwas. Die „light“-Edition könnte zum Beispiel sein, einfach in der Heimat mal alleine Essen zu gehen oder Spazieren zu gehen oder ins Kino zu gehen. So kann man sich leichter und behutsamer an das Alleine sein herantasten und sehen, dass es gar nicht so schlimm ist, wie man vielleicht zunächst dachte.

In diesem Jahr sind übrigens bisher drei Hamburg-Besuche geplant. Und keiner davon alleine. Aber zuletzt war das ja auch eine sehr spontane Entscheidung, also mal abwarten, was das Jahr noch so bringt.

In diesem Sinne,
Prost,

die Ruhrpottperle!

Ich kann alleine sein

Diese Worte und das nun folgende Gedicht sind wieder einmal von der wunderbaren Julia Engelmann. Ich liebe diesen Text und finde ihn wirklich inspirierend. Viel Spaß!
Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=D0DHx9MxKcM

Ich kann alleine sein

Ich kann alleine sein.
Ich kann alleine sein.
Ich kann alleine –
seit ich weg bin von der Party und dir
sing ich jetzt schon dieses Lied
und ich singe:
Ich kann alleine sein.

Die Nacht
macht noch vom Dunkel betrunken und ohne mit Gewitter zu zucken
keinerlei Anstalten dem Morgen zu weichen.
Ich gehe nach Hause zwischen laternenen Funken,
in meinem Rucksack trage ich Fragezeichen.
Die schwarze Straße hat sich breit gemacht,
schläft schweigend ihren Rausch aus.
Und zwischen Kreuzungen und Seitengassen tut sich nirgendwo mein Haus auf.
Und ich merke, wie ich gehe,
merke, wie ich mich bewege,
aber mein Leben auf der Stelle steht
und bloß unter mir die Welt sich dreht.
Und unter meinen Füßen ist die Erde ein Laufband.
Ich laufe nach vorn, komm trotzdem bloß hier an.
Meine Welt ist ein Zelt, bloß aus ewigem Treibsand.
Alles bleibt gleich, ohne Ein-, ohne Ausgang.
Alle Schritte, die ich gehe, sind der Sand in meiner Sanduhr.
Alle Straßen, alle Wege, alles kommt mir so bekannt vor.
Hier zum Beispiel:
Genau hier war ich schonmal letztes Jahr,
ich weiß noch, wie verletzt ich war,
ich dachte, ich wär weiter, aber jetzt bin ich schon wieder da.
Und was hab‘ ich nicht alles gemacht seitdem:
Ich hab‘ neue Berge bezwungen,
hab‘ neue Lieder gesungen,
bin über Schatten gesprungen,
hab‘ mich zum Lachen gezwungen.
Hab‘ mich zusammengerissen,
um mich neu zu entfalten.
Um langen Atem zu haben, hab‘ ich Luft angehalten.
Hab‘ mich ins Wasser gestoßen, um schneller schwimmen zu lernen.
Hab‘ meine Sachen verloren, um schneller fündig zu werden.
Aber:
Alles bleibt dasselbe.
Ich zum Beispiel sehe jeden Tag gleich aus.
Lös‘ bei mir selbst keinen Hype aus,
steh‘ dann vorm Spiegel ganz kleinlaut und verharre mit meinen Augen manchmal ein bisschen zu lange auf dem, was hinter mir liegt.
Und alles bleibt dasselbe.
Ich zum Beispiel.
Und alle Phrasen, die ich jeden Tag sage.
Und alle Fragen, die ich jeden Tag habe.
Wie die Frage danach, wann endlich alles gut wird.
Und alles bleibt dasselbe, ich zum Beispiel.
Wie eine Spieluhr, die tanzend immer wieder und wieder
um sich selber kreist.
Immer müder und müder die Welt anschweigt,
im Takt ihrer Lieder bloß bei sich und dieselbe bleibt.

Und ich singe:
Ich kann alleine –
seit ich weg bin von der Party und dir
war ich noch nie so schlecht darin, alleine zu sein.
Aber du?
Du bist nicht alleine.
Nein.
Du bist unabhängig.
Du bist ein Peter Pan-Cowboy-Wolf,
dein eigener instant fan,
du brauchst kein Zuhause, du kommst überall unter nämlich.
Und Hauptsache, dein Leben ist nice via instagram.
Und du gibst dir nur die harten Bässe,
du kippst dir nur die harten Sachen,
du zerstreust dich wie Konfetti
und du nennst das Ganze Party machen!
Mit gesichtslosen Leuten, die sich verzichtlos betäuben.
Und so bist du nüchtern zu schüchtern und besoffen zu offen
und denkst dir: „Hey! Wie war das nochmal mit dem Spatz in der Hand und der Taube auf dem Dach?“
Und so nimmst du lieber den Schmatzer auf die Wange
als die Trauung auf der Yacht.
Und dann ziehst du los
und paarest dich, aber
wer im Rausch mit dir ’ne Festung baut,
stellt dir kein Wurfzelt auf bei Tageslicht.
Du bist und bleibst mein Rätsel.
Das denk ich, aber sag‘ es nicht
und laufe einfach weiter,
während die Nacht längst in den Abend bricht.

Und ich singe:
Ich kann alleine –
seit ich weg bin von der Party und dir
denk ich, dass wir doch wenigstens zusammen alleine sein könnten.
Aber wenn ich dir meine Hand gebe
nimmst du sie nicht an.
Weil du sagst, dass der, der nichts hat, auch nichts verlieren kann.
Das ist sehr clever.
Ja, wer nichts hat, kann nichts verlieren, aber
der hat auch nichts.
Und klar:
Was uns Halt gibt, kann uns fallen lassen.
Wer uns liebt, kann uns alleine lassen.
Was uns frei macht, schränkt uns doch bloß ein.
Wenn wir laut sind, wollen wir leise sein.

Und ich singe:
Ich kann alleine sein.
Ich kann alleine sein.
Ja,
sogar besser, als ich dachte.
Auch wenn ich glaube, dass ich dafür nicht gemacht bin.
Und unter meinen Füßen bleibt die Erde ein Laufband.
Es ist so viel passiert,
steht trotzdem alles auf Anfang.
Wenn der Weg doch das Ziel ist,
dann komm ich vielleicht doch an.
Ich drossel das Tempo
und geh‘ heute mal langsam.
Und was sonst das Ziel sein könnte?
Ich wär‘ irgendwann gern stark.
Und ein bisschen weniger ironisch.
Vielleicht ein bisschen mehr bei mir,
nicht ganz so melankomisch.
Ich wär‘ irgendwann gern alt.
Und vielleicht ein bisschen weise.
Ich weiß noch nicht, wie bald und noch nicht, auf welche Weise.
Ich weiß, ich wär‘ gern nicht allein
und gesund sein wär‘ vorzüglich.
Und ich wünsche mir vor allem,
ich wäre dann ein bisschen glücklich.
Und bis dahin
werde ich manchmal an dich denken,
auch wenn du mich vergisst.
Und bis dahin
werde ich aufhören zu fragen, wann endlich alles gut wird.
Weil, weil nämlich längst schon alles gut ist.
Ja.
Weil nämlich längst schon alles gut ist.

Das war’s auch schon wieder. Ich lasse das, wie immer, einfach wirken.

In diesem Sinne,
Prost,

die Ruhrpottperle!

Warum man immer tun sollte, was man liebt

Ein sehr langer Titel für einen Blogpost. Aber, um ehrlich zu sein, ist mir nichts Kürzeres eingefallen. Und dank dieses langen Titels braucht der Post keine lange Einleitung, denn im Grund ist ja klar, worum es gehen wird, oder?
Kurz zum Hintergund: Inspiriert hat mich ein YouTube-Video, das ich euch im folgenden verlinken werde. Schaut es euch an, lasst dem jungen Mann vor der Kamera ein bisschen Liebe da und dann lest hier weiter! 😉

Nun also zu meinem Anliegen. Viele wichtige Dinge sind in dem Video ja bereits angesprochen worden. Im Grunde geht es darum, dass man immer tun sollte, was man liebt. Seiner Passion, seiner Leidenschaft nachgehen. Sich nicht in eine Rolle drängen lassen, sei es beruflich oder privat, die man nicht ausfüllen will, in die man nicht reinpasst.

Leider schreibt uns die Gesellschaft ganz oft genau das vor. „Du brauchst einen sicheren Job!“ heißt es dann, oder „Du musst dich den gesellschaften Normen und Werten anpassen!“ Aber das eigene Glück, die eigene Zufriedenheit bleibt dabei auf der Strecke. Und das kann krank machen.

Meine Erfahrungen:
Ich selbst habe 2009, direkt nach dem Abitur, eine Ausbildng angefangen. Ich wollte Ergotherapeutin werden. Wenn man mich heute fragt, kann ich nicht einmal mehr genau sagen, warum. Aber es klang spannend, also habe ich mich an Schulen beworben. Als kurze Information: Es gibt sowohl staatliche als auch private Schulen. Ich war an einer privaten Schule und musste dort ordentlich Schulgeld blechen.
Die ersten eineinhalb Jahre der Ausbildung waren toll. Wir hatten Unterricht, haben viel über Anatomie, Krankheitsbilder, Psychologie und viele handwerkliche Dinge gelernt. Ich habe tolle neue Menschen kennen gelernt, unter anderem meine heutige beste Freundin. Ich habe viel aus dieser Zeit mitgenommen, war eine gute Schülerin und bin noch heute in meiner Familie Ansprechpartnerin für Krankheiten. Doch dann kam die Wende.
Es ging in das erste Praktikum. Ich kam in eine Praxis für Ergotherapie und Logopädie. Ich sollte nun selbst mit Kindern, Erwachsenen und älteren Menschen arbeiten. Und dann wurde mir eine Sache zum Verhängnis: Ich hatte vorab kein Praktikum zur Orientierung gemacht. Ja, das war dumm. Ich würde es heute anders machen. Ich wusste also leider nicht wirklich, worauf ich mich einließ, war überfordert mit der Arbeit dort und nahm zu viel von den Erlebnissen in der Praxis und auf Hausbesuchen mit nach Hause.

Und das machte mich krank. Ich wurde kreuzunglücklich, wollte es aber noch nicht wahrhaben. Ich verlor ein Stück weit meine Lebensfreude, war ständig müde, ausgelaugt und hatte in meiner Freizeit keine Lust, irgendetwas zu machen. Einige Menschen in meinem Umfeld tippten damals auf Burnout. Mein Exfreund meinte in einem kurzen Gespräch, es sei wohl eher eine Depression. Ich habe es niemals herausgefunden, da ich es nicht behandeln lassen habe.
Ich wurde auch körperlich krank. Ich schlief schlecht, was zu Leistungs- und Konzentrationsproblemen führte. Ich bekam eine Magenschleimhautentzündung, wie ich sie schon einmal hatte, als ich psychisch großem Stress ausgesetzt gewesen war. Und trotzdem ging ich immer weiter hin.
Eines Tages fragte meine Anleiterin im Praktikum mich, warum ich eigentlich überhaupt weitermachen würde, wo ich mich doch so schwer tat. Meine Antwort:

Um es mir und allen anderen zu beweisen.

Nach diesem Gespräch ging ich nach Hause und die Erkenntnis traf mich wie ein Schlag. Was tat ich hier eigentlich?! Ich wollte eine teure Ausbildung weiterführen, die mir weder Spaß machte, noch mit ausfüllte, nur um es irgendjemandem zu beweisen? Ich wollte noch mehrere tausend Euro in einen Job investieren, den ich definitiv nicht ausüben würde? Ich wusste ja noch nichtmal, ob ich die Abschlussprüfungen so schaffen würde. Ich stellte fest, dass der Beruf der Ergotherapeutin eindeutig der Falsche für mich war.

Nach dieser Erkenntnis stand meine Entscheidung relativ schnell fest: Ich würde die Ausbildung abbrechen. Doch was dann? Ich besann mich auf das, was mir schon immer Spaß gemacht hatte: Das Schreiben. Da es in diesem Bereich wenig Möglichkeiten gibt, ohne Studium eine Ausbildung zu machen oder beruflich Fuß zu fassen, bewarb ich mich an verschiedenen Universitäten der Umgebung auf verschiedene Studiengänge: Journalistik bzw. Journalismus, Germanistik, Publizistik. Angenommen wurde ich dann an der Universität Duisburg-Essen für Germanistik auf 2-Fach Bachelor of Arts. In diesem Jahr habe ich dort eben jenen Abschluss erworben.

Wie hat mein Umfeld reagiert?
„Gemischt“ trifft es wohl am besten. Meine Eltern haben meine Entscheidung akzeptiert, hatten sie doch gesehen, wie schlecht es mir in der Ausbildung gegangen war. (Um ehrlich zu sein, waren sie in erster Linie froh, dass ich nicht schwanger war oder so, sondern ’nur‘ die Ausbildung abbrechen wollte). Der Lieblingsmann riet mir, die Ausbildung noch zu Ende zu machen, damit ich wenigstens überhaupt etwas hätte. Habe ich sofort ausgeschlagen, weil ich ja wusste, dass mir das absolut nichts bringen würde (vermutlich nicht mal einen Abschluss!). Die Schule hat mich gefragt, ob es nicht doch an der Praxis liegt und ob ich nicht doch nochmal darüber nachdenken wollte (danke, nein.). Mein Freundeskreis hat verständnisvoll reagiert, aber was hätten sie auch tun sollen? Meine heutige beste Freundin hatte am meisten Verständnis, wusste sie doch, wie schwer die Ausbildung sein kann. Sie ist übrigens der einzige Mensch aus der Ausbildung, mit dem ich überhaupt noch Kontakt habe.

Ich ging also, nach dem Gespräch mit dem Lieblingsmann und meinen Eltern, ein letztes Mal zur Schule, überraschend gefasst, um mit der Schulleitung und meiner Kursleitung zu besprechen, was ich entschieden hatte. Kündigungsgespräche fielen mir offenbar immer schon leicht, denn nach nicht einmal 30 Minuten war alles geklärt. Ich rief in der Praxis an, meldete mich ab und das war’s.

Was war die Folge?
Ich fühlte mich instant besser. Ich wurde schlagartig fröhlich, konnte wieder gut schlafen und nach drei Tagen waren die Magenprobleme wie weggeblasen. Überraschend? Nicht wirklich. Der falsche Beruf, das falsche Leben kann krank machen. Nicht nur, dass man dauerhaft unzufrieden ist, sondern man kann wirklich ernsthafte gesundheitliche Probleme davontragen.
Es hat mich etwa eineinhalb Jahre gekostet, diese Erkenntnis zu erlangen. Und mit diesem Post möchte ich euch helfen. Ich möchte verhindern, dass es bei euch auch so lange dauert, zu kapieren, dass ihr immer tun solltet, was ihr liebt.

Lasst euch nicht einreden, ihr müsstet einen bestimmten Beruf ergreifen, weil er sicher ist oder weil man das eben so macht. Lebt nicht die Träume und Wünsche eurer Eltern, eurer Freunde oder anderer Verwandten oder Bekannten. Lebt eure eigenen Träume! Ihr könnt grundsätzlich alles sein, alles tun, was ihr möchtet.
Auch der Schulabschluss ist dafür nicht entscheidend. Natürlich solltet ihr einen Abschluss machen, das steht außer Frage. Aber ich habe mit einem Abi-Durschnitt von 3,4 und einer 5 in Deutsch auf dem Abiturzeugnis Deutsch studiert (bzw. tue es immer noch). Solange ihr das, was ihr tun wollt, mit Leidenschaft verfolgt, könnt ihr es auch erreichen.

Und es ist übrigens keine Schande, mit Anfang 20 nochmal alles über den Haufen zu werfen. Ganz im Gegenteil. Sofern es euch glücklich macht, macht ihr alles richtig. Dann könnt ihr getrost auf die ‚verlorenen‘ Jahre scheißen und euch stattdessen freuen, dass ihr wieder glücklich seid. Dafür müsst ihr euch auch wirklich nicht schämen.

Heute bin ich glücklich. Ich habe gerade mein Master-Studium angefangen, habe eine berufliche Perspektive und wunderbare Menschen in meinem Umfeld, die mich unterstützen. Ich bin gesundheitlich (bis auf kleinere Wehwehchen) gut drauf und habe Spaß an dem, was ich tue, sei es das Studium oder der Blog. Und meine ganz klare Botschaft an euch:

Ihr könnt das auch. Und damit möchte ich den Blogpost schließen, mit den gleichen Worten, mit denen auch oben verlinktes Video endet.
Denk‘ mal drüber nach: Was willst du wirklich?

In diesem Sinne,
Prost,

die Ruhrpottperle!

Grüner wird’s nicht

Ein Gedicht von Julia Engelmann, das ich abgetippt habe, weil ich es ganz besonders fantastisch finde. Vielleicht mache ich sowas jetzt immer mal zwischendurch, Texte abtippen, die ich besonders tiefgründig oder schön finde.
Quelle: https://youtu.be/UWgSwhE2YXY?t=26m10s

Grüner wird’s nicht

Da stehst Du nun:
knöcheltief in den Startlöchern drin, bereit jetzt loszulegen.
Doch Du sagst:
„Hey! Auch der Startmoment soll stimmen!“
Und Du brauchst Zeit zu überlegen.
Und so wartest Du. Und Du wartest schon so lange auf den einen Moment, ohne eigentlich zu wissen, woran man ihn erkennt.
Und Du hast so viele Ziele, aber trotzdem hältst Du inn‘.
Doch allein Dein guter Wille, der bringt Dich dort nicht hin.
Dann sagst Du immer nur: Die Andern versperren Dir Dein Glück.
Dabei stehst Du Dir selbst im Weg und hältst Dich selbst zurück.
Und Wittgenstein sagt: „Sprache schafft Wirklichkeit.“
Und Du redest, und redest, und es tut sich so wenig und die Tage vergehen und sie sehen sich so ähnlich.
Denn nich‘ abstraktes Gerede über das was nicht ist, sondern praktisches Leben postuliert, wer Du bist.
Taten, Taten schaffen Wirklichkeit.
Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!
Du wirst nicht gelebt, sondern Du kannst selber leben.
Du wirst nicht bewegt, sondern kannst auch selber gehen.
Wähle, was Du erstrebst und dann kannst du’s dir nehmen.
Wer zu lang‘ überlegt, der verpasst ein Stück Leben.
Und frag‘ Dich nicht, was richtig ist, sondern frag‘ Dich, was Du fühlst.
Hör auf zu fragen, ob Du kannst, sondern frag Dich, ob Du willst.
Und wenn ja, dann zieh‘ die Konsequenzen aus Deinen Gedanken.
Begib Dich vom Denken ins einfache Handeln.
Red‘ nicht vom dancen, sondern fang‘ an zu tanzen.
Nimm mal die Steine aus dem Weg und dann feuer einen Startschuss.
Lass die Leinen los, fahr auf See und erneuer Deinen Status.
Verlass mal die Metaebene.
Veränder mal die Draufsicht.
So sicher es auch scheint, Leben in Gedanken taugt nichts.
Und Du kriegst, was Du gibst, wenn Du tust, was Du liebst.

Grenzen sind Phantome, gebaut von Angst bloß in Gedanken.
Wenn Du einmal um Dich siehst, dann stehen da nirgends Schranken.
Dein Weg ist frei, ganz bis zum Horizont und bietet klare Sicht.
Nur gehen musst Du noch alleine, denn das macht keiner für Dich.
Die beste Zeit ist immer jetzt und viel grüner wird es nicht.
Nur gehen musst Du noch alleine, denn das kann keiner für Dich.

Ich möchte das an dieser Stelle gar nicht groß kommentieren, sondern den Text einfach wirken lassen.

In diesem Sinne,
Prost,

die Ruhrpottperle!

Ich will Optimistin sein

Ja, ganz richtig gelesen. Ich will eine Optimistin sein. Und deswegen bin ich eine. Ich habe mich bewusst dafür entschieden.
Früher war ich eher realistisch. Nicht zu optimistisch, nicht zu pessimistisch. Ganz im Gegenteil, von Teilen meines ehemaligen Umfelds wurde mir sogar eher Pessimismus eingetrichtert. Irgendwann habe ich mich entschieden, dass das Leben zu kurz ist, um nicht positiv durch die Welt zu gehen. Das allseits bekannte YOLO (you only live once) hat sehr zu dieser Einstellung beigetragen. Wenn ich schon nur einmal lebe, will ich das Beste daraus machen. Und deshalb habe ich mich dazu entschieden, optimistisch zu sein.

Das heißt, ich gehe positiv durch’s leben. Ich versuche, allem etwas Positives abzugewinnen (Spoiler: Klappt natürlich nicht immer). Ich versuche aber, auch immer optimistisch zu sein. Daran zu glauben, dass irgendwann alles gut wird. Frei getreu dem Motto:

Am Ende wird alles gut. Und wenn nicht alles gut ist, ist es auch nicht das Ende.

Ist das unvernünftig? Leichtsinnig? Vielleicht, ein bisschen. Aber ich habe das große Glück, mir diese Einstellung leisten zu können. Denn in meinem Umfeld gibt es ein paar wundervolle Menschen, die selbst eher Realisten (häufig) oder Pessimisten (selten) sind. Diese bilden einen Gegenpol zu meiner stets optimistischen Art, da Gegensätze sich ja bekanntlich anziehen.

Und so kann ich mit meinem unerschütterlichen Optimismus diese Menschen manchmal ein bisschen aufbauen und im Gegenzug holen sie mich oft genug auf den Boden der Tatsachen zurück. Obwohl ich natürlich immer noch realistische Züge in mir habe, sowas legt man ja nicht gänzlich ab, auch wenn man sich bewusst für eine andere Attitüde entscheidet.

Aber, versteht mich bitte nicht falsch. Auch ich habe Sorgen, Ängste, Nöte und Zweifel. Davon bleiben auch Optimisten nicht verschont. Und das ist ja auch richtig so. Manchmal glaube ich, dass die Momente des Zweifels für Optimisten sogar schwerer zu ertragen sind als für Realisten. Weil ich dazu neige, diese Zweifel dann überzudramatisieren. Weil ich keine Relation dazu habe, nicht weiß, wie ich damit umgehen soll. Aber dafür gibt es ja wieder Realisten in meinem Umfeld.
Und, was das Wichtigste ist: Am Ende denke ich wieder positiv. Und wenn es nur der Gedanke ist, dass am Ende irgendwann alles gut wird. Manchmal fällt das natürlich auch mir schwer, aber genau dieser „alles wird gut“-Gedanke baut mich auf.

Ich bin eine Optimistin. Weil ich eine sein will.

In diesem Sinne,
Prost,

die Ruhrpottperle!