„Du arbeitest von zu Hause?!“

… „Wirst du da nicht super schnell abgelenkt?!“ Diese und ähnliche Fragen bekomme ich relativ häufig, wenn ich erwähne, dass ich komplett von zu Hause arbeite. Deshalb möchte ich gern ein paar Vor- und Nachteile des so genannten HO (Home Office, Heimarbeit) auflisten und erzählen, wie das in der Realität so ist, von zu Hause zu arbeiten. Meine Anmerkungen und Tipps beziehen sich alle darauf, dass ich selbstständig bin. Es gibt natürlich auch die Möglichkeit, innerhalb einer Firma von zu Hause zu arbeiten, hierbei ist man aber in seiner Zeitplanung nicht so frei, da man sich oft trotzdem an Arbeitsbeginn und Pausenzeiten halten muss.

Die Vorteile:

  • Man muss zum Arbeiten nicht das Haus verlassen. Das ist natürlich super entspannt, weil man mal eben in die Küche gehen kann oder einkaufen. Auch, wenn sich z. B. Handwerker angekündigt haben, muss man den Termin nicht im Büro oder so absprechen, sondern ist einfach sowieso zu Hause! Auch, wenn das Wetter z. B. im Winter nicht so prickelnd ist, muss man sich nicht durch den Regen oder Schnee zur Arbeit kämpfen, sondern kann in der gemütlichen, warmen Wohnung bleiben.
  • Man kann in Jogginghose arbeiten. Wenn man nicht gerade eine Skype-Videokonferenz oder einen Termin mit einem Kunden oder Auftraggeber hat, kann man ganz entspannt in Schlabberklamotten und ungeschminkt am PC oder Telefon sitzen. Das Business-Dress fällt weg, was außerdem dazu führt, dass man morgens locker eine halbe Stunde länger schlafen kann!
  • Man kann sich die Pausen selbst einteilen und sie so verbringen, wie man will. Ich kann dann Frühstücken, Mittagessen oder private Besorgungen machen, wann ich es möchte oder wann es in meinen Tag passt. Ich muss mich nicht an vorgegebene Pausenzeiten halten oder nach genau 30 Minuten wieder am Schreibtisch sitzen. Stattdessen kann ich kurz einkaufen, wenn es passt, mittags in Ruhe kochen, wenn ich möchte oder schnell ein YouTube-Video schauen, wenn es veröffentlicht wird!

Der große Vorteil ist also, dass ich alles selbstbestimmt machen kann. Aber natürlich hat das Home Office nicht nur Vorteile.

Die Nachteile:

  • Man muss Disziplin haben, auch wirklich zu arbeiten. Natürlich bietet das Home Office viele Ablenkungen. Der private PC, auf dem vielleicht Games installiert sind, auf dem aber in jedem Fall YouTube, Blogs und ähnliche Website auf einen Besuch warten, läd‘ geradezu dazu ein, nicht zu arbeiten. Außerdem Netflix, Maxdome oder der gute alte Fernseher, der mit spannenden Serien und Filmen wartet. Ich erwische mich oft genug dabei, wie ich „nur noch schnell dieses eine YouTube-Video schaue“, bevor ich wieder arbeite… da muss man sich dann einfach selbst in den Hintern treten, um auch was zu schaffen.
  • Es gibt keine Arbeitsatmosphäre, wenn man nicht wirklich darauf achtet. Mein Schreibtisch ist im Moment ein einziges Chaos – ich arbeite aber daran. Auf dem PC habe ich dafür schonmal einen Business-Benutzer angelegt, auf dem keine privaten Programme verfügbar sind und auf dem im Browser lediglich Business-Links hinterlegt sind. So habe ich mir wenigstens eine gewisse Arbeitsatmosphäre geschaffen, ich bin aber bei weitem noch nicht fertig.

Das Fazit: Ich denke, es ist wichtig, dass man sich im Home Office immer wieder selbst dazu anhält, ordentlich zu arbeiten. Man muss Disziplin beweisen und sich wirklich hinsetzen und arbeiten. Das Ergebnis sieht man sonst sehr schnell am Ende des Monats auf dem Konto. Daher behaupte ich, dass die Arbeit von zu Hause aus nicht für jeden etwas ist. Natürlich macht auch hier die Umgebung schon einen Unterschied: Mein Schreibtisch steht im Schlafzimmer, zwei Meter vom Bett entfernt. Wenn der Lieblingsmann zu Hause ist, sitzt er neben mir, während ich arbeite. Das bietet nochmal mehr Ablenkungen, als wenn ich ein Büro in meiner Wohnung hätte. Die nächste Wohnung hat auch definitiv einen Raum, den ich als Büro nutzen kann, im Moment fehlt dafür aber einfach der Platz. Aber auch, wenn ich in einem Büro in der Wohnung arbeite, sind die Ablenkungen nicht weg.
Für manche Menschen ist daher ein separates Büro besser geeignet. Die privaten Ablenkungen können hier auf eine Minimum reduziert werden, da sich leichter eine reine Arbeitsatmosphäre schaffen lässt. Allerdings ist hier natürlich genauso Disziplin gefragt, weil man ja trotz allem noch selbstständig ist und einem deshalb kein Chef in den Hintern tritt. Die Wahl des Arbeitsplatzes als Selbstständiger will also gut überlegt sein (obwohl sie natürlich auch von den finanziellen Mitteln abhängt).

In diesem Sinne,
Prost,

die Ruhrpottperle!

Advertisements

Selbstständigkeit pt. 1 – Das große FAQ

Im heutigen Blogpost möchte ich ein paar Fragen beantworten, die mir mein Umfeld im Zusammenhang mit der Entscheidung, mich selbstständig zu machen, oft gestellt hat. Dabei geht es zum Teil ganz allgemein um die Selbstständigkeit an sich, teilweise aber auch um meine Arbeit im Speziellen. Also los!

  • Was genau machst du jetzt eigentlich? Was macht eine Lektorin?

Im Großen und Ganzen korrigiere ich Texte. Ich verbessere dabei sowohl Rechtschreibung, Zeichensetzung und Satzbau (Korrektorat) als auch Stil, inhaltliche Kongruenz, Logikfehler, Seitenlayout (Lektorat) von wissenschaftlichen Arbeiten und Werbetexten, bzw. von allem, was mir ein Auftraggeber so anbietet. Außerdem verbessere ich Texte nach SEO-Gesichtspunkten. SEO steht dabei für Search-Engine-Optimization (dt. Suchmaschinenoptimierung). Das heißt, ich überarbeite Texte so, dass sie von Suchmaschinen im Internet besser gefunden werden können. Neben dieser Arbeit schreibe ich selbst Texte, mache Transkripte (Verschriftlichung von Audio-Gesprächen) und tippe Handschriften ab.
Ein besonderer Service, den nicht jeder Lektor hat, ist mein Bewerbungsmappentraining. Dabei erkläre ich Leuten via Skype oder persönlich, worauf es bei einer guten Bewerbungsmappe ankommt, korrigiere und verbessere bereits bestehende Mappen und weise auf wichtige Dinge, die es zu beachten gilt, hin.

  • Was heißt selbstständig? Hast du jetzt ein Gewerbe?

Ganz klare Antwort: Nein, ich habe kein Gewerbe. Es gibt im Großen und Ganzen zwei Möglichkeiten, sich selbstständig zu machen: Als Freiberufler oder indem man ein Gewerbe anmeldet. Ich arbeite freiberuflich.

  • Wie macht man sich überhaupt selbstständig?

Das ist im Prinzip ganz einfach. Man muss seinem Gewerbe- oder Finanzamt (je nachdem, ob gewerblich oder freiberuflich) Bescheid sagen, dass man ab Zeitpunkt X selbstständig ist. Dann muss man den einen oder anderen Fragebogen ausfüllen und bekommt eine Steuernummer (und ggf. eine Umsatzsteuer-ID). Achtung: Die Steuernummer ist nicht eure Steuer-ID! Das sind zwei verschiedene paar Schuhe. Und man kann praktisch sofort loslegen, wenn man dem entsprechenden Amt Bescheid gegeben hat.

  • Und wie verdienst du als Lektorin Geld?

Ich bekomme natürlich kein festes, monatliches Gehalt mehr. Stattdessen arbeite ich für Auftraggeber, also z. B. Studenten, die ihre Bachelor- oder Masterarbeit korrigiert bekommen möchten und für Textagenturen, die via Online-Tools Textjobs vermitteln. An diese Jobs komme ich über meine Website, über Aushänge an Universitäten, auf Online-Portalen und über Flyer-Werbung. Und natürlich Mundpropaganda, nicht zu vergessen.

  • Verdienst du auch mit diesem Blog Geld?

Ich gehöre mittlerweile einem Bloggernetzwerk, bzw. einer Bloggeragentur an. Aber die Werbung, die ihr auf der Website seht, ist nicht von mir und die aktuellen Beiträge sind auch keine Kooperationen. Wenn ich für einen Beitrag Geld bekomme, werde ich das deutlich kenntlich machen.
Aber ja: Man kann als Freiberufler auch mit einem Blog Geld verdienen.

  • Musst du das Geld versteuern?

Natürlich zahle ich weiterhin, wie jeder gute deutsche Bundesbürger, Steuern auf mein Einkommen. Da ich kein Gewerbe habe, entfällt die Gewerbesteuer. Ich darf aber nicht den gesamten Umsatz für mich behalten. Ich muss Umsatzsteuer ausweisen und an das Finanzamt abführen und natürlich auch Einkommenssteuer. Und wenn ich mir selbst mein Gehalt auszahle, wird das natürlich auch versteuert. Ich darf also gerade einmal knapp die Hälfte von dem, was ich so einnehme, auch wirklich selbst behalten!

  • Hast du ein Büro?

Nein, ich arbeite sehr entspannt von zu Hause aus. Das hat natürlich seine Vor- und Nachteile. Mein großer Wunsch für die Zukunft ist, dass ich mir ein Büro leisten kann. Dafür muss sich mein Unternehmen aber erst einmal etablieren. Schließlich stehe ich noch ganz am Anfang.

  • Warum hast du dich selbstständig gemacht?

Wie die meisten Gründer wollte ich unabhängig sein. Ich wollte nicht mehr darauf angewiesen sein, dass ein Vorgesetzter mir sagt, was ich tun soll. Ich wollte nicht mehr auf die Gunst eines Chefs angewiesen sein. Ich wollte selbst bestimmen können, wann ich was tue. Mein Job sollte mir zu 100 % Spaß machen! Und, nicht zu verachten, ich wollte meine Arbeitszeiten komplett selbst bestimmen (immerhin bin ich ein absoluter Morgenmuffel und kann vor 10Uhr morgens kaum produktiv sein).

  • Hast du dein Studium abgebrochen?

Nein. Ich werde im aktuellen Wintersemester keine Veranstaltungen mehr besuchen, um mich komplett auf den Aufbau meines Unternehmens konzentrieren zu können, aber ich habe vor, den Master zu Ende zu machen. Ich werde zwar statt der angepeilten drei bis vier eher vier bis fünf Semester dafür brauchen, aber das ist es mir wert. Immerhin arbeite ich jetzt nicht mehr für ein Unternehmen, sondern wirklich für mich selbst!

  • Warum hast du dich während des Studiums selbstständig gemacht?

Während des Studiums ist die Arbeitszeit von Werkstudenten und Selbstständigen auf 20 Stunden pro Woche im Semester beschränkt. Das liegt daran, dass das Hauptaugenmerk weiterhin auf dem Studium liegen soll. Der Vorteil daran ist, dass man, wenn man über 25 ist und studiert, weiterhin als Student krankenversichert bleiben kann. Das heißt, ich zahle für Kranken- und Pflegeversicherung derzeit etwa 80€. Würde ich mich als Selbstständige selbst versichern, würde mich das locker das Dreifache kosten!

  • Hast du Tipps für Leute, die sich selbstständig machen wollen?

Geht zur IHK. In den meisten größeren Städten bietet die Industrie- und Handels-Kammer zahlreiche, meist kostenfreie, Kurse für angehende Gründer an. Diese Kurse helfen euch bei der Orientierung, geben wertvolle Tipps und bringen euch das Grundwissen, also die Basics bei. Und dann: Google! Informiert euch über eure Geschäftsidee, findet heraus, was ihr tun müsst, um diese umzusetzen.
Und, ganz wichtig: Sucht euch Verbündete. Es wird genug Menschen in eurem Umfeld geben, die die Idee bescheuert finden, die es euch nicht zutrauen, die euch den Traum madig machen wollen. Lasst diese Art von Leuten reden! Macht euer Ding trotzdem, haltet euch dabei an die Menschen, die hinter euch stehen, die euch mit Rat und Tat zur Seite stehen, die euch helfen wollen. Diese Menschen sind auf dem steinigen Weg gute Begleiter. Denn der Weg wird steinig. Es ist nicht einfach, sich erfolgreich selbstständig zu machen. Ihr wollt von dem Geld leben können. Und das kann hart werden. Mit den richtigen Leuten an eurer Seite ist aber alles zu schaffen!

Auf einige der Punkte dieser Liste werde ich nochmal gesondert genauer eingehen, wie z. B. auf den Unterschied zwischen Gewerbe und Freiberufler und auf die Frage mit der Umsatzsteuer. Falls es trotzdem noch weitere Fragen gibt, stellt sie gern.

In diesem Sinne,
Prost,

die Ruhrpottperle!