Ich bin gläubig.

So, nach dieser Überschrift habe ich wahrscheinlich schon einen Haufen Leser verloren, aber sei’s drum. Allen anderen ein herzliches Willkommen!
Ja, ich bin religiös. Aber nicht auf eine kranke, missionarische Art. Und nein, ich will heute auch nicht über Islamismus oder verschiedene Religionen sprechen oder darüber, wie doof Extremismus und Fanatismus sind. Sondern darüber, warum man anderen Menschen ihren Glauben lassen sollte.

In meinem Umfeld sind einige Menschen, die sehr religiös sind und andere, die mit Religion so überhaupt nichts zu tun haben. Ich bin irgendwo in der Mitte. Ich laufe nicht jeden Sonntag in die Kirche, aber hohe Feiertage bedeuten mir etwas. Ich suche nicht nach göttlicher Absolution, aber ich glaube z. B. an das Sakrament der Ehe. Ich kann Dinge an der Kirche kritisieren und dennoch an Gott glauben. Neulich habe ich gehört, dass die Eheschließung in der Kirche ja in den allermeisten Fällen nur „wegen der Atmosphäre“ gemacht würde. Und das halte ich nicht für gelogen. Ich persönlich allerdings wollte partout vor Gott die Ehe schließen. Das heilige Sakrament der Ehe. In einer katholischen Trauzeremonie, unter Beteiligung eines evangelischen Pfarrers (mein Mann ist katholisch, ich bin evangelisch) haben wir uns also das Ja-Wort gegeben. Und tatsächlich war damals, als wir uns verlobt hatten, ich es, die darauf bestand, in einer katholischen Zeremonie zu heiraten. Weil in der katholischen Kirche die Ehe als ein heiliger Bund angesehen wird und mir das viel bedeutet.

Als vor einigen Wochen Ostern war, habe ich gerade in den sozialen Netzwerken viele Diskussionen zum Thema Tanzverbot an Karfreitag mitbekommen. Einige waren konstruktiv und haben mit Argumenten versucht zu erklären, warum das Tanzverbot gut oder schlecht ist. Andere haben unsinnig herumgemotzt und keinerlei vernünftige Unterhaltung möglich gemacht. Hier soll es jetzt gar nicht um das Tanzverbot selbst gehen, sondern um Religions-Diskussionen im Allgemeinen.

Im Rahmen dessen habe ich mich nämlich gefragt: Sollte man Menschen, die religiös sind, die Ausübung von gewissen Feiertagen schlecht reden oder sich darüber lustig machen? Einfache Antwort: Nein, sollte man nicht. Gläubige Menschen sollten aber auch ein gewisses Maß an Verständnis dafür haben, dass andere so gar nichts mit Religion anfangen können.
Ich bin der Meinung, dass Glaube und Religion sehr private Dinge sind, die man in erster Linie mit sich selbst ausmachen sollte. Manche von uns sind getauft und haben kirchliche Werte bereits in frühester Kindheit mitbekommen. Andere finden erst später zu Gott. Genauso gibt es den umgekehrten Fall, dass Menschen, die getauft sind, sich von Gott bzw. der Kirche abwenden, zu einem anderen Glauben konvertieren oder dass Menschen schlicht nie mit dem Glauben in Berührung kommen. Aber egal, wie der Weg des Einzelnen verläuft: Jeder hat das Recht darauf, zu glauben oder nicht zu glauben, an was er will.
Das heißt aber, dass dieser Glaube nichts ist, worüber sich lustig gemacht werden sollte. Denn zu glauben ist eine sehr intime Sache, die vielen Menschen viel bedeutet. Und es kann sehr verletztend sein, wenn das von anderen nicht respektiert wird.

Ich persönlich gehe z. B. an Karfreitag oder auch an Weihnachten nicht feiern. Die einzige Ausnahme bilden hier Geburtstage. Meine beste Freundin hat am zweiten Weihnachtsfeiertag Geburstag und natürlich wird der ordentlich gefeiert! Damit will ich nicht sagen, dass niemand an hohen christlichen Feiertagen in die Disco gehen darf, aber ich tue es eben nicht. Weil ich an diesen Feiertagen lieber mit meiner Familie zusammen bin, mich auf das Wesentliche in meinem Leben besinne und z. B. das Tanzverbot an Karfreitag für mich persönlich achte.
Ich wünsche mir in dem Zusammenhang im Grunde nur eine Sache: Dass diese, persönliche, Entscheidung respektiert wird und ich mich nicht dafür rechtfertigen muss, was ich tue oder eben nicht.

In diesem Sinne,
Prost,

die Ruhrpottperle!